Wirt­schaft­li­che und sozia­le Rech­te aller Wanderarbeitnehmer

Wolfsburg, Gastarbeiterfamilie in ihrer Wohnung

Die UN-Wan­der­ar­bei­ter­kon­ven­ti­on, die “Inter­na­tio­nal Con­ven­ti­on on the Rights of All Migrant Workers and Mem­bers of Their Fami­lies” (ICRMW), ent­hält in ihrem Teil II Garan­tien für die zivi­len, bür­ger­li­chen, wirt­schaft­li­chen, sozia­len und kul­tu­rel­len Men­schen­rech­te aller Migran­ten, und das unab­hän­gig davon, ob die­se sich recht­mä­ßig oder ille­gal im betrof­fe­nen Staat aufhalten.

Dabei wie­der­holt und bekräf­tigt die Wan­der­ar­bei­ter­kon­ven­ti­on zunächst eini­ge der bereits im UN-Sozi­al­pakt für Jeder­mann garan­tier­ten, grund­le­gen­den wirt­schaft­li­chen und sozia­len Men­schen­rech­te, so etwa

  • der Schutz der Men­schen­wür­de (Art. 17 ICRMW) und der kul­tu­rel­len Iden­ti­tät (Art. 31 ICRMW),
  • den Zugang zu den Sys­te­men der sozia­len Sicher­heit im Auf­ent­halts­staat (Art. 27 ICRMW),
  • das Recht auf Zugang zu drin­gen­der ärzt­li­chen Ver­sor­gung (Art. 28 IRCMW),
  • das Recht aller Kin­der auf Regis­trie­rung ihrer Geburt, auf Namen und eine Staats­an­ge­hö­rig­keit (Art. 29 ICRMW),
  • das Recht auf gleich­be­rech­tig­ten Zugang zur Bil­dung (Art. 30 IRCMW),

In die­ser Wie­der­ho­lung und Bekräf­ti­gung der Rech­te aus dem UN-Sozi­al­pakt bleibt die UN-Wan­der­ar­bei­ter­kon­ven­ti­on jedoch nicht ste­hen, son­dern gestal­tet die­se Rech­te wei­ter für die kon­kre­te Situa­ti­on der Wan­der­ar­beit­neh­mer,  so etwa

  • in dem Ver­bot, eine Auf­ent­halts­er­laub­nis oder Arbeits­er­laub­nis nur aus dem Grund zu ent­zie­hen, dass der Wan­der­ar­beit­neh­mer eine ver­trag­li­che Ver­pflich­tung nicht erfüllt hat (Art. 20 ICRMW) sowie
  • in dem Ver­bot jeg­li­cher arbeits­recht­li­cher Dis­kri­mie­rung, die ihren Grund im Migra­ti­ons­sta­tus hat (Art. 25 ICRMW)

In eini­gen Berei­chen bleibt die UN-Wan­der­ar­bei­ter­kon­ven­ti­on hin­ter dem Stan­dard zurück, der bereits durch den UN-Sozi­al­pakt garan­tiert wird, so etwa

  • beim Recht auf einen ange­mes­se­nen Lebens­stan­dard, bei dem die UN-Wan­der­ar­bei­ter­kon­ven­ti­on zwar aus­drück­lich das Recht auf Woh­nen erwähnt, nicht aber auch das – im UN-Sozi­al­pakt eben­falls garan­tier­te – Recht auf Arbeit.
  • beim Recht auf Gesund­heit, bei dem die UN-Wan­der­ar­bei­ter­kon­ven­ti­on nur einen Zugang zu drin­gen­der ärzt­li­cher Ver­sor­gung gewähr­leis­tet, also den Zugang nur zu einer Ver­sor­gung, die zur Lebens­ret­tung sowie zur Ver­mei­dung nicht wie­der­gut­zu­ma­chen­der Gesund­heits­schä­den drin­gend erfor­der­lich ist, wäh­rend der UN-Sozi­al­pakt inso­weit das Recht eines jeden auf das für ihn erreich­ba­re Höchst­maß an kör­per­li­cher und geis­ti­ger Gesund­heit anerkannt.

Die­sen ver­meint­li­chen Wider­spruch für die Staa­ten, die bei­de Men­schen­rechts­ab­kom­men rati­fi­ziert haben, löst die UN-Wan­der­ar­bei­ter­kon­ven­ti­on dann jedoch in Art. 81 auf, wonach die Bestim­mun­gen der UN-Wan­der­ar­bei­ter­kon­ven­ti­on die auf­grund ande­rer zwei- oder mehr­sei­ti­ger Ver­trä­ge bestehen­den güns­ti­ge­ren Rech­te oder Frei­hei­ten unbe­rührt läßt. Die UN-Wan­der­ar­bei­ter­kon­ven­ti­on defi­niert mit­hin inso­weit nur ein Min­dest­maß an sozia­len und wirt­schaft­li­chen Men­schen­rech­ten für Migran­ten, dass auch von sol­chen Staa­ten nicht unter­schrit­ten wer­den darf, die den UN-Sozi­al­pakt nicht rati­fi­ziert haben. Soweit der UN-Sozi­al­pakt dage­gen ein höhe­res Schutz­ni­veau für  Jeder­mann bie­tet, besteht die­ses auch für Migranten.

Bild­quel­len:

  • Wolfs­burg, Gast­ar­bei­ter­fa­mi­lie in ihrer Woh­nung: Bun­des­ar­chiv, Bild 183−1990−0702−001 /​ Sin­der­mann, Jür­gen | CC BY-SA 3.0 Unported

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